"Das Lieblingsangebot unserer Bewohner ist das Singen."

Frau Buscher, was macht der Soziale Dienst?

Andrea Buscher: Wir geben den Menschen im Notburgahaus Lebensqualität. Wir betreuen sie, führen Gespräche, geben Beistand und feiern mit ihnen – sei es der Geburtstag, seien es die religiösen Feste wie St. Martin, Nikolaus, Ostern und Weihnachten.

Unser Job ist es, das zu fördern, was an Fähigkeiten noch da ist oder an Fähigkeiten mal da war. Wenn zum Beispiel jemand nach einem Schlaganfall nicht mehr stricken kann, dann kann es mit den richtigen Hilfsmitteln, Motivation und Geduld gelingen, denjenigen zu unterstützen, dass das Stricken wieder klappt und wieder Spaß macht.

Wir singen jeden Dienstag mit den Bewohnern - und die Gitarre ist dann mit dabei - Volkslieder, Schlager, Oldies, einfach alles, was gefragt ist und gefällt. Und wir holen ins Haus, was sich die Bewohner draußen nicht mehr ansehen können. Regelmäßig finden Konzerte mit verschiedenen Pianisten statt, oder Chöre aus der Umgebung kommen, wir hatten schon einen Leierkastenspieler und Alphornbläser hier und veranstalten Tanzcafés. Wir haben sogar mal einen Pommes-Wagen auf dem Außengelände aufstellen lassen. Wir bieten alljährlich die Möglichkeit, an einer Kutschfahrt durch den Ort teilzunehmen, oder machen kleine Ausflüge zum Eis essen oder Kaffee trinken und Kuchen essen in die nähere Umgebung.

Es kommen Schüler aus den Schulen zu uns – eine Begegnung von Alt und Jung. Und einmal im Jahr geht es zum Schützenfest, zu Backfisch und Bier. Abends beim Dorffest werden unsere Bewohner als Ehrengäste begrüßt und feiern mit der Schützenbruderschaft. Karneval haben wir hier Ausnahmezustand – und das nicht nur wegen der traditionellen Gulaschsuppe an Weiberfastnacht. Zur Karnevalsfeier kommt uns das Kinderprinzenpaar mit der Tanzgarde besuchen, die mit einem kleinen Programm für Stimmung sorgen, und auch das Personal lässt sich jedes Jahr etwas Lustiges einfallen.

Es gibt viele verschiedene Angebote: das Kegeln jeden Freitag, das dank einer speziell angefertigten und hochgebauten Kegelbahn auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, samstags das Klöncafé, Handarbeitsgruppen, Kreativangebote, Gesprächsrunden, montags Gymnastik, Kraft- und Balancetraining, Kochen und den Männerstammtisch und das Spätangebot, bei dem Knabbereien und ein Bier nicht fehlen dürfen. Jeden Donnerstag können die Bewohner beim Bingo etwas gewinnen. Montags gibt es im regelmäßigen Wechsel katholische Wortgottesdienste, evangelische Gottesdienstfeiern und Heilige Messen.

Alles in allem bieten wir ein breit gefächertes Wochenprogramm an, bei dem für jeden etwas dabei ist.

Das klingt spannend. Aber nicht jeder Bewohner ist so fit, dass er an allem teilnehmen kann.

Andrea Buscher: Ja, das ist leider so. Wir versuchen trotzdem, alle zu erreichen. Die Betreuungsassistenten besuchen die Bewohner regelmäßig in den Zimmern. Da gibt es Gespräche, es werden Märchen erzählt, vorgelesen, sich über Alltägliches unterhalten, es wird gesungen oder es werden Entspannungsübungen gemacht. Wir sind dann mit einem Entspannungswagen unterwegs, der unsere Hilfsmittel transportiert. Wir arbeiten mit Licht, Musik, Bassboxen, die auf den Bauch gelegt werden können, um Musik spürbar zu machen. Wir bieten Handeinreibungen mit verschiedenen Ölen an, z.B. mit Lavendel- oder Rosenöl – je nach Stimmung und Wunsch der Bewohner. Und es gibt ganz viel Gedächtnistraining. Sprichwörter sind besonders beliebt. Mindestens einmal pro Tag finden wir eines in den Äußerungen unserer Bewohner wieder.

Bei besonderen Aktionen passen wir uns an die Gegebenheiten an. St. Martin singen die Kinder nicht nur in den Gruppenräumen, sie ziehen auch durch die Gänge und die Türen sind auf, sodass auch unsere bettlägerigen Bewohner etwas von der tollen Atmosphäre mitbekommen. Und auch der Nikolaus geht von Zimmer zu Zimmer. Wenn wir backen, können natürlich nicht alle Bewohner mitmachen. Aber wir backen immer für das ganze Haus, und alle Bewohner bekommen anschließend eine Tüte mit selbstgebackenen Plätzchen geschenkt.

All das spiegelt nur einen Teil der Arbeit des Sozialen Dienstes und der Betreuungsassistenten wieder. Meine Mitarbeiter leisten noch sehr viel mehr, was man an dieser Stelle nicht alles aufzählen kann.

Was ist das beliebteste Angebot?

Andrea Buscher: Das Singen. Da zeigt sich dann deutlich, dass die Musik immer noch unheimlich viel mit einem Menschen machen kann, wenn die Sprache nicht mehr an ihn herankommt. Beim Singen kommt die größte Gruppe an Bewohnen zusammen. Jeder kann daran teilnehmen, auch wenn einzelne Personen dann nur dabeisitzen oder sogar schlafen. Das ist ein Zeichen, dass sie sich in diesem Umfeld wohlfühlen und zur Ruhe kommen.

Die zweitgrößte Gruppe findet sich beim Kegeln und bei der Gymnastik ein. Man merkt, die Menschen möchten etwas tun. Und um die Gelenke zu schonen finden diese Aktivitäten vorwiegend im Sitzen statt.

Natürlich gibt es auch schon mal Dinge oder Themen, die nicht so gut ankommen. Daher testen wir alles aus, bevor wir es längerfristig etablieren. Bei den internen Geburtstagsfeiern, die wir für die Heimbewohner organisieren, hat sich zum Beispiel gezeigt, dass das beste Format eine Feier ist, in der alle gewürdigt werden, die in den vergangenen zwei Monaten Geburtstag hatten. Da kommt richtig Stimmung auf. Etwa, wenn eines der Geburtstagskinder meint, mit 86 Jahren schon ein beachtliches Alter erreicht zu haben, und sich dann herausstellt, dass die anderen fünf Personen am Tisch alle über 90 Jahre alt sind.

Besteht Ihr Team nur aus hauptamtlichen Kräften, oder setzen Sie auch Ehrenamtler ein?

Andrea Buscher: Im Sozialen Dienst haben wir mit mir drei Mitarbeiter, die sich 1,7 Stellen teilen, das Team wird durch sechs Betreuungsassistenten in Teilzeit vervollständigt. Hinzu kommen zwei Ehrenamtler, die sehr stark mit dem Notburgahaus verbunden sind. Eine Dame bietet einmal in der Woche einen Spielenachmittag an und ein junger Mann ist fester Bestandteil bei unserem Männerstammtisch.

Nicht ganz in den Stellenplan integriert, aber immer präsent und von allen heiß geliebt ist unser „Schröder“. Es ist mein Hund und ein Mops, den ich immer mal mitbringe. Als Besuchshund – wenn auch ohne offizielle Ausbildung – macht er eine super Arbeit. Schröder bringt Ruhe in den Saal, wenn er in einer Ecke liegt und schläft, und selbst Menschen, die sich ihre Schuhe nicht mehr zubinden können, schaffen es, Schröder zu streicheln. Und so groß ist ein Mops ja nicht.

Wie stark sind die Angehörigen in die Betreuung involviert?

Andrea Buscher: Wir haben zu den Angehörigen einen guten Kontakt und haben immer ein offenes Ohr. Was wir aber merken: Den Angehörigen fehlt oft die Möglichkeit, sich mit Menschen in einer ähnlichen Situation austauschen zu können, und sich einfach auch gegenseitig zu motivieren. Perspektivisch planen wir daher, zusammen mit der Pflegedienstleitung eine Art Stammtisch für die Angehörigen im Notburgahaus einzurichten. Denn die Themen sind oft übergreifend und betreffen sowohl die eigentliche Pflege als auch das soziale Umfeld. Ich denke, das ist ein wichtiges Zukunftsprojekt, um auch den Angehörigen eine Hilfe an die Hand zu geben.

 

Andrea Buscher

Leitung Sozialer Dienst

Andrea Buscher studierte nach dem Abitur und einer Aus­bil­dung zur staat­lich exami­nier­ten Alten­pfleger­in an der Ev. Fach­hoch­schule Rhein­land-West­falen-Lippe in Bochum. Sie be­endete ihr Studium als staat­lich an­er­kann­te Dip­lom-Sozial­ar­bei­ter­in/Di­plom So­zial­pädagogin.

Ihre Diplom­ar­beit schrieb sie in den Fäch­ern Psy­cholo­gie und Er­ziehungs­wissen­schaften. Dabei beh­andelte sie das Thema: „Tiere im so­zial­päda­go­gisch/thera­peu­tischen Ein­satz: Pro und Contra.“ Damit legte sie den ersten Grund­stein für die regel­mäßigen Besuche ihres Hundes „Schröder“ im Not­burga­haus.

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